Wormser Zeitung  23.07.2016

ASV Karpfen Osthofen hat seit 2008 im          Eicher See 4000 Aale ausgesetzt

 

Raus aus der Wanne, rein ins Wasser: Gewässerwart Hermann Vogt setzt im Eicher See

Von Claudia Wößner

OSTHOFEN/EICH - Sich aalen. Jetzt im Sommer ist diese Redewendung besonders häufig zu hören. Sich mal bei hohen Temperaturen so richtig in der Sonne rekeln, es sich am Strand gut gehen und die Seele baumeln lassen, so stellt man sich das Aalen in den Ferien vor. Sich winden wie ein Aal, sich also aus einer unschönen Situation winden, das ist die eigentliche Herkunft der Redewendung. Aber sich winden? Beim Angelsportverein (ASV) Karpfen 1935 Osthofen macht das niemand, wenn es um Aale geht. Den Aktiven um den Ersten Vorsitzenden Günter Schmitt und Gewässerwart Hermann Vogt ist der Schutz dieser Fische sehr wichtig.

Bestände gehen immer weiter zurück

  • GEFÄHRDET
  • Der Europäische Aal gilt als eine vom Aussterben bedrohte Art der Aale. Als Ursachen für den starken Rückgang der Aalbestände werden insbesondere Umweltverschmutzung und der kommerzielle Fischfang an den Küsten genannt. Auch der Bau von Wasserkraftwerken wird als Gefahr für den Aal angesehen. Immer wieder sterben Tiere, wenn sie in die Turbinen der Kraftwerke gelangen.
     

Deshalb werden mit einem Abstand von wenigen Jahren Schüsseln, Wannen und sonstige Behälter ausgepackt – und zum Wohle der Tiere wird mit angepackt. Weil die Bestände des Europäischen Aals in den heimischen Flüssen immer weiter zurückgehen, hat der Verein in den vergangenen Jahren Exemplare dieser schlangenartigen Fische im Eicher See ausgesetzt.

Dort im See, der mit dem Rhein verbunden ist, können sich die Fische akklimatisieren und dann in den Rhein abwandern oder im See bleiben. Dreimal, 2008, 2011 und zuletzt im Frühjahr 2016 in Zusammenarbeit mit dem Landesverband, hat der Verein Aale in den Eicher See entlassen.

Günter Schmitt ist zufrieden mit dem Ergebnis des Aktion-Dreierpacks. Der ASV-Vorsitzende lässt Zahlen sprechen: Rund 1500 Aale setzte der Verein in diesem Jahr aus, 1500 im Jahr 2011 und 1000 zum Auftakt im Jahr 2008.

Also insgesamt 4000 Aale mit einem Gesamtgewicht von 40 Kilogramm fanden im Eicher See ein neues Zuhause oder zogen weiter – wenn sie denn noch leben. Das ist die einzige Einschränkung, die Günter Schmitt macht. Denn er kann nicht sagen, wie viele Tiere es geschafft haben und wie viele nicht. Mit einem Sender versehen wie viele Störche, das sind die Aale nicht. Also weiß nur Mutter Natur die Antwort, wie viele Fische noch leben.

Aber Schmitt ist guter Dinge, dass die überwiegende Mehrheit der Aale überlebt hat. Als Grund für seine Zuversicht nennt der Vereinsvorsitzende die Größe der Tiere: 20 bis 25 Zentimenter waren die sogenannten Satzaale groß. Groß genug, um nicht gleich zum Opfer eines Fressfeindes zu werden. Satzaale sind nach Angaben Schmitts Tiere, die an Küsten gefangen wurden. Aber nicht zum Verzehr, sondern zur Rettung der Aale.

Um ihnen eine größtmögliche Überlebenschance zu geben, werden die gefangenen Exemplare über eine längere Zeit in speziellen Fischzuchten gehegt. Erst ab einer Größe von 20 Zentimentern und einem Gewicht von zehn Gramm werden die Fische als vollständig entwickelte Jungaale in den Flüssen ausgesetzt.

„Über Geld spricht man nicht“

Mit seinem Engagement für die Aale ist der Osthofener Angelsportverein nicht allein. In ganz Rheinland-Pfalz beteiligen sich Vereine an Aktionen, mit denen verhindert werden soll, dass die Zahl des Europäischen Aals weiter zurückgeht. Wie Günter Schmitt berichtet, verteilten Ehrenamtliche seit 2008 jedes Jahr über 17 000 Jungaale in verschiedenen Gewässern in Rheinland-Pfalz. Die Kosten für den Kauf der Aale, die ausgesetzt werden sollen, müssen die Vereine selbst übernehmen.

Darüber, wie viel Geld der ASV Karpfen in die Hand genommen hat, schweigt sich Günter Schmitt aus. „Über Geld spricht man nicht“, meint er schmunzelnd. Es sei aber eine „ansehnliche Summe“ gewesen. Eine Investition für den Schutz der Natur, die für Schmitt jeden Cent wert ist. Wann die nächste Aussetzaktion stattfindet, steht noch nicht fest. Der Angelsportverein will der Natur genügend Zeit lassen, dass sich die Aale verteilen, bis die nächsten Tiere im Eicher See hinzukommen könnten.

Die Aale sollen sich wohlfühlen, sich rekeln. Sich im See aalen.

Aus Wormser Zeitung